10 Fragen an

Michael Heuel:

1. Was hat dich dazu gebracht, vom Fleischermeister zum Schauspieler zu werden?

 

Schauspieler zu sein war schon immer mein Berufswunsch, aber da meine Eltern eine Metzgerei mit anliegendem Schnellrestaurant in der 3. Generation besitzen, war es klar, dass der Erstgeborene natürlich eine Metzgerlehre macht. In einem Familienbetrieb ist es schwer, sich irgendwann mal zu lösen und das zu
machen, was man eigentlich will.

 

2.  Wie bist du zu den Karl-May-Festspielen gekommen?

 

Ich habe mich, wie es üblich ist, per Vita und Demoband beworben, mit dem Hinweis, dass ich in der Nähe gebaut habe und dass ich somit immer vor Ort bin. Nach ein paar Wochen bin ich dann zu einem Casting eingeladen worden und da, so denke ich, hat Herr Bludau festgestellt, dass die Chemie stimmt und das, was ich
auf der Bühne mache, auch.

3. Wie war es für dich, 2008 zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne zu stehen?

 

Ich habe vor Jahren, nach meiner Schauspielausbildung längere Zeit Theater gespielt. Die Frage wäre besser, wie war es vor so vielen, also ca. 4000 Menschen zu spielen?! - großartig und überwältigend -

4. War es schwer für dich, das Reiten und Stunts zu erlernen?

 

Das war und ist wohl auch immer noch eine große Herausforderung für mich.

Die Choreographie der Kämpfe ist immer unterschiedlich und variiert mit dem jeweiligen Gegner. Mit dem Reiten wird es immer besser, da ich hier die besten Reitlehrer habe, die man nur haben kann. Trotzdem darf man nie vergessen, dass ein Pferd nun mal ein Tier ist und somit unberechenbar bleibt.

5. Was für ein Gefühl hattest du, als du erfahren hast, dass du dieses Jahr den Old

    Firehand (Hauptrolle) spielst!

 

Ehrlich gesagt, konnte ich es nicht glauben und dachte, dass die Rolle eher eine größere Nebenrolle ist, wie auch im letzten Jahr. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass ich neben Winnetou die andere Hauptrolle spiele. Danach war ich sehr happy und nervös zugleich.

Ganz egal, wie groß oder wie klein die Rolle ist, man muss das Stück als Ganzes betrachten und das wird nun mal von allen getragen. Deshalb sehe ich mich selber nicht als wichtig, sondern vielmehr als einen Teil des Ganzen.

 

6. Gibt es eine/n Lieblingsschauspieler/in mit dem/der du gerne auf der Bühne stehst?

 

In Elspe waren alle Schauspieler wichtig für mich.

Es gibt allerdings sehr viele, mit denen ich gerne mal zusammen arbeiten würde. Da ich parallel zu meiner Schauspielausbildung hinter der Kamera gearbeitet habe (um die Schule zu finanzieren), bin ich mit vielen bekannten Schauspielern zusammengekommen und habe festgestellt, dass die auch nur Menschen sind, wie z.B. Dennis Hopper, mit dem ich in Köln gearbeitet habe.

Gerne würde ich mal was mit Udo Schenk machen, der, wie ich finde, die beste Synchronstimme hat. Ich habe mal zu meiner Frau gesagt, dass, wenn ich so eine Stimme hätte, ich den ganzen Tag reden würde. Dazu meinte meine Frau lachend, dass ich das eh schon tun würde, aber sie mir auch gerne zuhören würde.

7. Wie bereitest du dich für das Stück vor?

 

Als erstes heißt es Text lernen, sodass man sich zu Beginn der Proben nicht mehr damit beschäftigen muss. Wenn der Text sitzt, erstelle ich ein Rollenprofil: Wie ist der Mensch, den ich spiele? Welche Gesten macht er? Welche Eigenheiten besitzt er? Wie spricht er? Welche Haltung hat er? Welche Stimmlage passt zu dem Charakter? Der Rest ergibt sich bei den Proben auf der Bühne.

8. Wie wirst du mit deiner Bekanntheit fertig?

 

Ich denke, dass ich nicht sonderlich bekannt bin. Dass mich die Leute in unserem Dorf, in dem ich lebe (2.500 Einwohner) ab und zu ansprechen, sie hätten mich im Fernsehen oder auf der Bühne gesehen, ist mittlerweile keine Besonderheit mehr. Es ist schön, während der Saison von meinen Fans mit Bildern beschenkt zu werden, Autogramme zu schreiben und Kinder glücklich zu machen. Wenn ich dann nach der Vorstellung ins Auto steige oder im Aldi an der Kasse stehe, bin ich ein normaler Mensch wie jeder andere auch, der gerade zwei Tüten Milch holt. Ich finde, nur weil ich auf der Bühne stehe, bin ich nichts Besonderes, nur dass ich

einen ganz besonderen Beruf habe, der mir sehr viel Freude bereitet.

 

9. Was für Musik hörst du gerne?

 

Musik ist für mich ein dehnbarer Begriff. Sie muss zur Situation passen (Volksmusik und die komplette Ballermann-Garde passen bei mir allerdings zu keiner Situation. 15 Jahre Rock am Ring haben meine Geschmack natürlich geprägt). So kann ich mir Led Zeppelin anhören und im Anschluss Hubert von Goisern, danach Boundsound und Hans Söllner. Am liebsten höre ich Soundtracks, da Filme meine Leidenschaft sind und ich mit den Songs an bestimmte Szenen erinnert werde und ich der Meinung bin, dass manche Szenen nur durch die Musik leben.

10. Wie wichtig sind Fans für dich?

 

Ich denke, man kann einen Menschen für das bewundern, was er macht oder gemacht hat. Es ist natürlich für jeden schön, begehrt zu werden, aber wie bereits gesagt, finde ich, dass man nichts Besseres ist, weil
man auf der Bühne steht. Wenn Zuschauer nach der Vorstellung zu mir kommen, um ein Autogramm zu bekommen, freut mich das natürlich. Ihnen hat dann das, was ich auf der Bühne gespielt habe, gefallen und sie nehmen mit der Autogrammkarte ein Stück Erinnerung mit nach Hause.

Belagerungen wie bei den großen Künstlern, die dann kein Privatleben mehr haben, finde ich alles andere als gut, aber so, wie es bei mir läuft, ist es super.

                                                                                                                                                          (Juni 2009)